Oder wer zur neuen vielfältigeren Gesellschaft gehört, und wer nicht !
Beobachtet man die
gesellschaftliche Debatte dieser Tage, so ist in den letzten Jahren
viel davon die Rede, dass die Gesellschaft Verschiedenheit als Chance
begreifen solle. In besonders hippen Ausschreibungen oder
Publikationen heißt dass dann Diversity Managment.Doch welche
Vielfalt ist gemeint? Wessen Andersartigkeit wird hier positiv
wahrgenommen und gefördert? Auffällig ist, dass Vielfalt als Chance
fast ausschließlich im Kontext der Islam und Zuwanderungsdebatte
thematisiert wird. Gemeint ist also kulturelle Vielfalt. Es gibt
Programm die mehr Migranten in den öffentlichen Dienst holen wollen,
versuche Migranten zum THW oder in die Feuerwehr zu
locken, was wohl auch ein Versuch ist sie in Deutschem Brauchtum zu
unterweisen. Es gibt bei den Begabtenförderungswerken
Sonderprogramme um mehr Migranten in die Wissenschaft zu bringen und
die Neuen Medienmacher stellen ein Programm zur Förderung des
Quereinstiegs von Migranten in den Journalismus bereit. Kurz und Gut,
Migranten sind, nachdem wir sie Jahrzehnte eher vernachlässigt haben
plötzlich eine hippe Zielgruppe. Sie haben, so scheint es, plötzlich
einen Wert für diese Gesellschaft. Um keine Missverständnisse
aufkommen zu lassen, Diese Programme sind begrüßenswert.
Nachdenklich stimmt lediglich der in ihnen zum Ausdruck kommende
Begriff von Vielfalt. Dieser ist zu eng und schließt die
Perspektiven einer anderen „Randgruppe „aus.
Gemeint sind hier die
Schwerbehinderten, und unter diesen Wiederum vor allem jene 40%, die
unter äußerlich sichtbaren Einschränkungen leiden, und weniger
jene rund 60% ,die zum Beispiel nach einer Krebs OP als
Schwerbehindert gelten, ohne deren Leid bagatellisieren zu wollen.
Bemerkenswert ist, dass
es trotz des überall postulierten Fachkräftemangels keine Debatte
über die Frage gibt, wie man die Potenziale Behinderter besser
nutzen kann. Zwar gibt es seit einigen Jahren eine Debatte um
Inklusive Schulen, die aber wird lustlos und widerwillig geführt. weil Deutschland nun mal die Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat, und nun irgendwie sehen muss,wie es diese Umsetzt.Es gibt keine Bereitschaft Inklusive Schule so zu gestalten und vor allem so zu finanzieren, dass sie funktioniert.Es gibt auch keine
offensiv zu Markte getragene Förderung für begabte behinderte
studierende. Auf die Tatsache, dass diese mindestens 2 der vier
üblichen Auswahlkriterien, kurze Studiendauer, exzellente
Noten, internationale Mobilität und gesellschaftliches Engagement
behinderungsbedingt nicht erfüllen können, wird nicht
eingegangen.
Auch
auf dem freien Arbeitsmarkt sieht es schlecht aus. Behinderte sind
überdurchschnittlich oft Langzeitarbeitslos, was inzwischen
zunehmend auch für hochqualifizierte gilt.Hierzu lohnt sich ein Blick auf
diesen Eintrag. In ihm ist eine ernüchternde Reportage verbloggt. Warum aber ist das Interesse Behinderte in die neue vielfältige Gesellschaft aufzunehmen, im Gegensatz zu Migranten so wenig ausgeprägt?
Warum
aber ist das Interesse Behinderte in die neue vielfältige
Gesellschaft aufzunehmen, im Gegensatz zu Migranten so wenig
ausgeprägt?
Vermutlich liegt es
daran, dass dem Gros der Gesellschaft Behinderte schlicht egal sind.
Man ist an ihrer Perspektive auf die Gesellschaft ihren Potenzialen
und ihrer Arbeitskraft nicht interessiert. Viele Arbeitgeber
scheinen sogar zu bestreiten, dass Behinderte überhaupt über
nutzbare Potenziale verfügen. Behinderte gelten als nicht
leistungsfähig. Selbst wenn sie gut qualifiziert sind, ist die
schizophrene Argumentation, der betroffene sei zwar gut ausgebildet,
könne aber wegen seiner Behinderung die Anforderung am Arbeitsplatz
nicht erfüllen nicht selten. Dies gilt trotz eines ganzen
Füllhorns von Fördermöglichkeiten, auf die willige Arbeitgeber
zugreifen können.
Von Nöten ist ein
Wandel auf der Arbeitgeberseite.Es muss viel stärker anerkannt werden, dass auch Menschen mit Behinderungen grundsätzlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten Leistungsfähig sind. Viele von ihnen haben besondere Talente, die quasi als Kompensationsleistung neben der Behinderung entstehen. Diese Talente müssen produktiv genutzt werden. Letztendlich wird diesen Prozess hoffentlich der zunehmende Fachkräftemangel erledigen. Die neue Liebe zur kulturellen Vielfalt ist ja schließlich auch nicht entstanden, weil plötzlich alle Migration dufte finden, sondern, aus der puren ökonomischen Notwendigkeit, dass man es sich n nicht mehr leisten kann die Talente der Migranten auf der Straße liegen zu lassen.
Davon abgesehen, gibt es auch Trends, welche mich grundsätzlich zweifeln lassen, ob es überhaupt eine wachsende Bereitschaft gibt Verschiedenheit und Andersartigkeit zu akzeptieren. Mit Blick auf die PID oder den Bluttest zur Diagnose von Trisomie 21 bin ich eher geneigt,eine Tendenz zu sehen, die bestrebt ist anders sein schon im Ansatz mittels Biotechnologie aus der Gesellschaft zu tilgen.
Langer Rede kurzer Sinn, ich glaube wir brauchen um eine wirklich offenere Gesellschaft zu werden einen breiten liberalen Begriff von Vielfalt, der neben Behinderten etwa auch psychisch kranke viel stärker einschließt. So wie die Debatten gegenwärtig geführt wird, ist sie viel zu eng und untauglich das Ziel einer besseren, offener Gesellschaft umfassend in die Tat umzusetzen.