Rebel Music Turkey: Flowers of Gezi


Am 31. Mai jährten sich die Gezi-Park Proteste in der Türkei zum Zweitenmal. Anläßlich dieses kleinen Jobiläums hat MTV die folgende Doku produziert( Türkisch mit englischen Untertiteln).Als Zuschauern lernt man mehrere Aktivisten  kennen und begleitet sie bei ihren Aktionen gegen das AKP Regime.

Viel coole Musik ist natürlich auch dabei. Schaut es euch an! Sofern man sich für die Vorgänge in der Türkei interessiert, sind die 30 Minuten Lebenszeit gut investiert .





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Die Türkei vor den Kommunalwahlen 2014 - Anfang vom Ende der Ära Erdogan?




Seit mittlerweile 12 Jahren regiert die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung unter Ministerpräsident Recep Tayip Erdogan die Türkei. Lange Zeit lief es relativ gut. Die Türkei boomte ökonomisch in den letzten 10 Jahren beispiellos.Auch gesellschaftlich  gab es im Rahmen der Orientierung in Richtung Europäische Union durchaus beachtliche   Schritte zur Demokratisierung des Landes .So wurde beispielsweise das lange allmächtige Militär entmachtet. und Friedensgespräche mit der PKK begonnen. Diese treten zwar  seit geraumer Zeit auf der Stelle, es ist aber gelungen ein Waffenstillstand zu vereinbaren und damit  einen 30 Jahre andauernden  Bürgerkrieg mit Zehntausenden Toten  zumindest fürs Erste zu beenden.

Gleichzeitig wurde aber immer stärker offenbar, dass es der AKP letztendlich kein Verständnis von Demokratie besitzt. Schleichend  verschob die AKP gesellschaftliche Normen  und versuchte ihre islamische Agenda durchzusetzen. Das Zeigt sich beispielsweise in der im Versuch das Recht auf Abtreibung durch eine extrem kurze Fristenlösung auszuhöhlen, oder Werbung vor Alkohol zu verbieten.Dies traf beispielsweise die Heavy Metal Szene hart, denn  ohne Alkohol Sponsoring könnte sie ihre Festivals nicht mehr finanzieren,

Spätestens seit  letztem Jahr hat die AKP allerdings massiven Gegenwind, Die sogenannten Gezi Proteste ließen erstmals unüberhörbar zu Tage treten,  dass es eine massive Unzufriedenheit mit der Politik der AKP existiert. Jedoch ist offen was aus der Bewegung risultiert. Zumindest bislang ist  es  ihr nicht gelungen sich politisch etwa in Form einer neue Linkspartei  zu organisieren.


Hinzu tritt ein massiver Machtkampf zwischen der AKP und der lange mit ihr verbündeten Gülen Bewegung, benannt nach dem in den USA lebenden islamischen Prediger Fatullah Gülen.Außlöser des Machtkampfes war übrigens ursprünglich der Versuch der AKP das sehr breite und mächtige  Netz der Privatschulen der Bewegung zu schließen.

Zuletzt wird das Land von einem riesigen Korruptionsskandal erschüttert, der die AKP auch ideologisch im Kern diskreditiert, traditionell leben gemäßigt islamische Parteien in der Region davon das sie sich als die gottesfürchtige und saubere alternative zu den Gottlosen und korrupten säkularen kräften verkaufen, Der AKP droht hier also nicht weniger, als ein zentrales Element ihres politischen Narrativs und damit ihrer Legitimität  weg zu brechen.

Am Sonntag  finden in der Türkei nun Kommunalwahlen  statt und es stellt sich eine Frage:

Ist das Erfolgsmodell Erdogan am Emde?

Zu dieser Frage möchte ich mmal wieder eine löhnende Radio Diskussion mit meinen Leserinnen und Lesern teilen. Im SWR2 Forum diskutieren  :

Reinhard Baumgarten, ARD-Korrespondent, Istanbul

Mely Kiyak, Publizistin, Berlin

Zafer Senocak, Schriftsteller und Publizist, Berlin

Gesprächsleitung: Eggert Blum



Ich wünsche viel Spaß beim Hören dieser interessanten Gesprächsrunde. !
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Hintergründe zu den Protesten in der Türkei !


Liefert mein Bekannter und gewissermaßen Kollege am Marburger Centrum für Nah-Und Mittelost-Studien, der Islamwissenschaftler  Dr. Pierre Hecker, in einem Interview mit dem Nürnberger Radio Z. Ich finde Pierres Ausführungen gelungen  und verlinke Das Interview daher. Um sicherzugehen, dass der Beitrag auch Lange auffindbar ist, packe ich ihn außerdem in meine Cloud, was in dem Fall auch völlig legal ist, da der Beitrag unter creative Commons lizenziert ist. ( Teil1 Teil 2 Teil 3)

Ich wünsche einen Lehrreichen Konsum des Interviews !


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Ein Stückchen Orient!



existierte bis 1971 mitten in der Donau,an der Grenze zwischen Serbien und Rumänien. Es handelte sich dabei  um die Donauinsel Adah Kaleh. Diese war durch ein kartographisches versehen  bis 1913 osmanische Enklave. Auch danach erhielt sich hier Osmanische Kultur. 1971 versenkte Ceausescu die Insel zugunsten eines Wasserkraftwerkes im Fluss.

Der Politikwissenschaftler Thomas Schmidinger hat die Geschichte der Insel in einem spannenden Artikel für die Wiener Zeitung aufgeschrieben.Ich teile ihn mit meinen LeserInnen, weil ich finde, dass man hier etwas über eine spannende historische Kuriosität lernt. Horizont erweitern schadet ja schließlich nie.

Viel Spaß !

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Die Kurden sind die Sieger des arabischen Frühlings!



Meint zumindest David Hurst. In einem interessanten Artikel im Freitag. Für ihn ist es nur noch eine Zeitfrage, bis die Irakischen Kurden ihre vollständige Unabhängigkeit erlangen. Der Bürgerkrieg in Syrien und die Verhandlungen zwischen der Türkischen Regierung und der PKK seien weitere Faktoren die den Kurden in die Hände spielen und ihren eigenen Staat ermöglichen würden.

Ich persönlich bin da etwas skeptischer. Was aus Syrien wird ist noch vollkommen offen. Ob insbesondere der Iran, der ein elementares Interesse an der Erhaltung eines föderalen irakischen Gesamtstaates hat einen Kurdenstaat zulässt würde ich bezweifelnAuch Erdogans Verhandlungen dürften wohl kaum bis hin zur Seezession reichen. Nach allem was ich bisher vernommen habe geht es im türkischen Fall vor allem um die Einräumung kultureller Rechte, etwa dadurch, dass man die Kurden als einen Teil des Staatsvolkes anerkennt.Dies Wäre immerhin die Abkehr von einem zentralen Gründungsmythos des Türkischen Nationalismus, wonach auf dem Gebiet der Türkei nur ein einheitliches Türkisches Volk lebe und sonst niemand. Bekanntlich reichte diese Politik früher, soweit, dass man den Begriff Kurde durch den Begriff "Bergtürke" zu ersetzen versuchte.

Sicher werden die Kurden im Zukünftigen Nahen Osten mehr Rechte genießen, gegen einen Kurdischen Staat spricht aber auch die Geostrategie,Wenn sich tatsächlich alle Kurdengebiete Irans, Iraks,der Türkei und Syriens die Unabhängigkeit erstreiten und zusammenschließen würden, wäre der Kurdenstaat der größte und mächtigste des Nahen Ostens. Daran hat weder regional noch  international irgendeine größere Macht ein ernsthaftes  Interesse.Vielleicht käme ja das Konzept Johann Galtungs zum Einsatz. Er hat schon vor Jahren folgende hybride Lösung vorgeschlagen:

Der zufolge sollen  alle vier betroffenen Staaten autonome Kurdengebite einrichten. Diese Wiederum bilden untereinander ein kurdische Föderation die auch eigene Pässe ausgeben darf. Die Kurden wären dann doppelte Staatsbürger,nämlich einerseits weiterhin Bürger des Staates aus dem sie kommen, andererseits aber Bürger der Kurdischen Föderation.So könnte theoretisch ein Kurdischer Staat gebildet werden, ohne die Territoriale Integrität der betroffenen Staaten formal anzutasten. Eine solche Föderation dürfte dann logischerweise keine eigene Armee haben, denn sonnst würden sich  Iran Irak Syrien und die Türkei ja ständig der Gefahr eines ethnischen Bürgerkrieges aussetzen. Vermutlich  würde sich die  Föderation auch nach außen nicht selbst vertreten. Ich fände eine solche Lösung spannend, weil sie auch rein Völkerrechtlich eine interessante Neukreation wäre. Ob sie aber durchsetzbar ist muss man abwarten. Vielleicht hat ja auch Hurst recht, und in ein Paar Jahren gibt es die Kurdische souveräne Republik. Gönnen würde ich es  den Kurden  alle mal.

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Die Türkei wird kein religiöser Staat !



Im Umgang mit der AKP- Regierung in der Türkei wird auch nach mittlerweile fast 10 Jahren Regierungszeit immer wieder von einer geheimen Agenda der Partei geredet, mit deren Hilfe die Türkei in einen zweiten Iran transformiert werden soll. Interessant sind in diesem Zusammenhang stimmen aus der Türkei, welche die Lage in aller Regel wesentlich nüchterner sehen als Deutsche oder Europäer .

Als Beispiel möchte ich auf ein interessantes Interview des Österreichischen Standard mit dem türkischen Kolumnisten Mustafa Akyol verweisen. Seine Grundthese ist die, dass die türkische Gesellschaft zwar einerseits konservativer wird, andererseits aber auch die Konservativen sich modernisieren und sich dadurch Kemalisten und  " Islamisten" eher annähern,statt die Gesellschaft weiter zu polarisieren.

Viel Spaß mit dem Interview !

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Wohin führt Erdogan die Türkei?



In der Türkei  sind letzte Woche 4 von 5 Mitgliedern der Militärführung zurückgetreten. Die Analysten sind sich einig, dass damit die fast 90 jährige Vorherrschaft des Militärs gebrochen ist. Uneinigkeit besteht hingegen darin, wohin sich die Türkei nun bewegen wird. Folgt eine reife Demokratie nach Europäischem Muster inklusive Lösung der Kurdenfrage? oder erwartet uns mit der neuen Verfassung die in Kürze  ausgearbeitet werden soll ein Präsidialsystem mit Erdogan als Diktator auf Zeit, wie unter anderem Jürgen Gotschlich in der Taz meint?

Es ist natürlich schwierig Prognosen zu stellen insbesondere wenn sie di Zukunft betreffen, Ich denke aber das man stand heute eine Sache mit Sicherheit sagen kann. Die AKP hat keinen geheimen Plan zur Umwandlung der Türkei in einen zweiten Iran.Wohl aber ist Erdogan  ein konservativer Machtmensch mit klaren autoritären Zügen. Das merkt man soweit ich das beurteilen kann vor allem  an seinem herrischen Umgang mit innenpolitischen Kritikern und der Presse.Auch kann man bestimmt davon ausgehen, dass die AKP auf jeden Fall eine Konservativere  Gesellschaft anstrebt.Ein Konservativerer Zeitgeist ist aber etwas anderes als eine komplette Aufgabe des Laizismus.Außerdem verfügt die Türkei über eine wache und starke Zivilgesellschaft und Presse.Ich vertraue darauf, dass diese sich schon zu wehren wissen wird, wenn Erdogans Machtgelüste überkochen sollten.

Zum Schluss sei daran erinnert,dass der AKP die zur Änderung der Verfassung nötige Zweidrittelmehrheit im Türkischen Parlament fehlt. Sie muss also in irgendeiner Form Kompromisse mit der Opposition eingehen.Wie diese aussehen und ob sie der Demokratisierung der Türkei dienlich sein können muss man natürlich erst einmal abwarten. Alles in allem bin ich aber für die Zukunft der Türkei vorsichtig optimistisch. Nun besteht endlich die Chance bisher durch das Militär blockierte Reformen einzuleiten,die im Besten Fall mit dem EU-Beitritt der Türkei gekrönt werden könnten.

Neben meiner bescheidenen Meinung  möchte ich aber auch noch ein bisschen  externen Sachverstand  in diesen Eintrag integrieren. Dies geschieht in Form der folgenden  Podiumsdiskussion,die ich allen am Thema  interessierten ans Herz legen möchte:



Die Entmachtung des Militärs –

Wohin führt Erdogan die Türkei?

Es diskutieren:

Reinhard Baumgarten, ARD-Korrespondent, Istanbul
Christiane Schlötzer-Scotland, Ressort Außenpolitik, Süddeutsche Zeitung
Zafer Senocak, Publizist, Berlin

Gesprächsleitung: Gábor Paál


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Die Türkische Namensreform 1934 und ihre Folgen



Nachnamen sind eine recht junge Erfindung. Besonders gilt dies für Staaten die erstens historisch relativ jung sind und zweitens Ergebnis einer Moderniserungsdiktatur sind. Das vielleicht prominenteste Beispiel ist die Türkei. Hier gibt es Nachnamen erst seit 76 Jahren. Dies diente zum einen sicher der besseren Unterscheidbarkeit der Bewohner, verfolgte aber vor allem politische Ziele. Durch den Zwang sich einen türkischen Familiennamen zuzulegen wurde nach außen eine Türkifizierung und Homogenisierung des Staatsvolks erreicht die in vielen aber nicht allen Fällen kurdische Namen verschwinden ließ.Es handelte sich also um eine nationalistisch begründete Zwangsmaßnahme. Die Kulturelle Identität von Minderheiten wie Kurden,Schwarzmeergriechen oder Armeniern, soweit diese nach 1917 noch auf türkischem Gebiet verblieben waren spielte für Staatsgründer Atatürk,welcher sich in seiner Spätphase ohnehin zunehmend dem europäischen Faschismus zu wandte( vergleiche hierzu Wer war Atatürk?), schlichtweg keine Rolle .Andere  Völker hatten in seinem homogenen Nationalstaat keinen Platz.

Da ich weder Türke,noch kundig in Türkischer  oder osmanischer Geschichte bin, möchte ich allen interessierten an dieser Stelle eine Zweiteilige Serie ans Herz legen(Teil 1,Teil 2). Sie wurde auf dem Lynxx Blog publiziert und arbeitet die Namensreform und ihre Folgen viel besser auf als ich dass mit meinen eher rudimentären Kenntnissen über die moderne Türkei oder das osmanische Reich jemals konnte.

Viel Spaß mit den beiden Artikeln! 


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Ein Paar Gedanken zur Wahl in der Türkei



Nun ist die mit Spannung erwarte Wahl in der Türkei vorbei udn hat im Gegensatz zu vielen Erwartungen keine Zweidrittelmehrheit der regierenden AKP erbracht. Diese kaum "nur" auf rund 50% der Stimmen und 326 von 550 Sitzen. Das Ziel einer Mehrheit um im Alleingang eine Neuen Verfassung ausarbeiten zu können ist damit gescheitert. Erdogan müsste sich nun Partner Suchen um seine Neue Verfassung noch durchzusetzen, den sowohl die Nationalistische MHP als auch die Kemalisische CHP haben mit 13 und 25,9% recht gut abgeschnitten. Auch die Kurden bauen ihreren Einfluss aus und schicken zukünftig 35 statt 20 unabhängige Kandidaten ins Parlament die künftig eine BDP Fraktion bilden werden.

Was sind die Gründe für dieses Ergebnis ? Nun sicher hat Jürgen Gottschlich recht, wenn er auf den Wirtschaftsboom der letzten Jahre verweist.Gegen ihn hatte die Opposition letztendlich keine Chance. Populär ist auch Erdogans selbstbewusste Außenpolitik udn sein Eintreten für die Palästinenser. Kritiker von außen sehen hierin einen drohenden Neoosmanismus, für die Türkische Seele aber ist sie Balsam.

Ich persönlich bin ja etwas gespalten. Einerseits finde ich das Ergebnis gar nicht so schlecht, den Zu viel Macht für den durchaus zu Autokratie   neigenden Erdogan und seine Partei ist eventuell nicht gut. Also ist es sinnvoll, dass es jetzt einige Gegenkräfte gibt die seine Macht begrenzen. Andererseits zeichnet sich das Türkische Parlament nicht gerade durch einen Geist der Kooperation aus.Ich kann mir kaum Vorstellen, das sich CHP oder MHP in der Frage einer neuen Verfassung auf die AKP zu bewegen  und wenn doch, dann nur um den Preis die Minderheitenrechte weitgehend außen vor zu lassen. Wenn Erdogan es ernst meint blieben ihm eigentlich nur noch die 35 kurdischen Abgeordneten. Vielleicht wären sie als Bündnispartner zu gewinnen wenn er ihnen in der neuen Verfassung Autonomie anbietet. Das ist aber zum Jetzigen Zeitpunkt Spekulation.Fest steht aber das die Kurdenfrage sich künftig noch lauter stellen wird als bisher. . 

Kurz und gut meiner Meinung nach hat diese Wahl mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Das politische System der Türkei wird jetzt beweisen müssen ob es zum Kompromiss fähig ist. Das muss man von einem Land das sich selbst als Demokratie sieht und immer noch irgendwie irgendwann in die EU will  einfach erwarten können. Es bleibt auf jeden Fall spannend

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Wer war Atatürk?

Denkt man über die Türkei und ihre Beitrittsperspektive zur EU nach so gibt es im wesentlichen zwei Stränge. Den einen gilt der Beitritt der Türkei als Teufelswerk,weil dies den christlichen Charakter der Gemeinschaft zerstöre. Interessant an dieser Argumentation finde ich das davon ausgegangen wird es handele sich bei der Europäischen Union um eine christlich Abendländische Gemeinschaft und damit um einen Christlichen Club zudem die muslimischen Türken folglich keinen Zutritt haben.

Zwar entspricht es den Tatsachen dass sich bisher nur christliche Länder in der EU organisiert haben, in keinem einzigen Vertrag hat sich die EU bislang aber als christliche Gemeinschaft definiert. Nicht umsonst fehlte in der gescheiterten EU-Verfassung der Gottesbezug. damit scheidet für mich dieses Argument aus.

Strang Nummer zwei begreift einen EU Beitritt der Türkei hingegen als Chance den Beweis anzutreten das Demokratie und Islam miteinander vereinbar sind. Basis für diese Sichtweise ist das Erbe von Staatsgründer Mustapha Kemal der die Türkei mit seiner später Kemalismus getauften Ideologie auf den Weg der Moderne des Republikanismus und des Laizismus führte. Doch wer war dieser Mann? Kann eine autoritäre und Radikale Strategie wie der Kemalismus in dessen Namen allein in den letzten 40 Jahren das Militär dreimal putschte wirklich zu Demokratie führen?

Hier hilft ein Blick in die Geschichte und den wirft die Arte Dokumentation Mustapha Kemal Atatürk die Geburt einer Republik. Wer sich also schon immer gefragt hat wie die Ideologie des Kemalismus entstand und mit welchen Methoden Mustapha Kemal Atatürk das Land modernisierte,der kann hier dazu lernen.

Viel Spaß !
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AKP auf Bewährung wie geht es weiter in der Türkei?

Vor knapp Zwei Wochen hat das Türkische Verfassungsgericht das Verbot der Regierungspartei AKP denkbar knapp abgelehnt. 6 der 11 Richter votierten für das Verbot, insgesamt wären aber laut Verfassung Sieben Stimmen nötig gewesen. Damit sind die kemalistischen Eliten in der Türkei das erste Mal damit gescheitert eine ihr missliebige Partei verbieten zu lassen. Meiner Ansicht nach hat das Verfassungsgericht hier eine goldrichtige Entscheidung getroffen, den ein Verbot der AKP die immerhin bei den letzten Wahlen weit über 40% der Stimmen erhalten hat hätte nicht nur die Verhandlungen zum EU Beitritt vermutlich zum Scheitern gebracht, sondern vor allem in der Türkei eine dramatische Staatskrise produziert.

Darüber hinaus ist die Beweislage gegen die AKP recht dünn. Sie stammt zwar aus dem Umfeld der islamistischen Milli Görüş Bewegung hat sich aber in den letzten Jahren zu einer Volkspartei entwickelt die neben ihrem Stammklientel bei der Wahl 2007 auch vom Liberalen Bürgertum,Linken und einem Großteil der Aleviten sonst Stammwähler der kemalistischen CHP gestützt wurde.Auch wenn man sich die Bilanz der AKP ansieht wird klar dass das einfache Schema demokratische Kemalisten versus Demokratie feindliche Islamisten nicht aufgeht. Schließlich war es die AKP die seit 2002 eine Fülle von Reformen durchgesetzt hat,um die Türkei für den angestrebten EU-Beitritt fit zu machen.

Allerdings hat Ministerpräsident Erdogan gerade nach der Wahl 2007 eine Menge Fehler gemacht.statt Wie angekündigt eine Neue zivile Verfassung durchzusetzen welche die von den Militärs 1982 diktierte Verfassung ablösen sollte fixierte er sich einseitig auf das Projekt der Liberalisierung des Kopftuchverbots an Universitäten und scheiterte damit prompt am Verfassungsgericht. Dabei hätte die AKP vermutlich keine Probleme mit diesem Vorhaben gehabt,wenn sie es in die neue liberale Verfassung eingebettet hätte. so aber brachte sie die Kemalistischen Eliten gegen sich auf und lieferte ein wichtiges Argument für das Verbotsverfahren.

Stellt man sich nun die Frage wie es nach dem mit knapper Not überstandenen Verfahren weitergehen soll so ist zu hoffen das die AKP den Weg zurück auf einen stabilen Reformpfad findet. Das beinhaltet vor allem die Verabschiedung der versprochenen neuen Verfassung,eine weitere Verbesserung der Stellung von Minderheiten, die Lösung der Zypernfrage,die Abschaffung von Berüchtigten Paragraphen wie etwa dem zur Beleidigung des Türkentums und vieles mehr. Damit dieser Prozess zu einem erfolgreichen Ende kommt muss allerdings auch die Europäische Union ihre Haltung zur Türkei überdenken.Nur eine faire und klare Beitrittsperspektive kann die Reformkräfte in der Türkei stützen.

Zum Abschluss dieses Themas stelle ich euch noch eine sehr interessante Radio Diskussion zur Verfügung.

unter dem Titel Staatskrise vertagt? Die Türkei nach dem AKP-Urteil diskutieren im SWR 2 Forum :

Dr. Heinz Kramer, Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin

Ulrich Pick,
ARD-Korrespondent, Istanbul

Zafer Senocak,
Türkischer Schriftsteller, Berlin

Moderation: Ursula Nusser
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Die Türkei auf dem Weg in die Islamisierung?




Ist die Türkei auf dem Weg in eine schleichende islamisierung falls Abdullah Gül neuer Staatspräsident wird? Ganz unbegründet ist diese Befürchtung mit Sicherheit nicht, schließlich befänden sich in diesem Fall nach 83 Jahren Republik alle wichtigen Schaltstellen des Staates vom Ministerpräsidenten über den Parlamentspräsidenten bis hin zum Staatsoberhaupt in den Händen einer aus dem islamischen Extremismus entstandenen Partei. Letzte Laizistische Bastion wäre dann die Armee,aber selbst die konnte theoretisch unterwandert werden,dar der Präsident die führenden Offiziere ernennt.dennoch schätze ich persönlich ohne ein ausgewiesener Türkei experte zu sein diese Gefahr relativ gering ein.

Es gibt in der Türkei schlicht keine Mehrheit für Verhältnisse alá Iran. Das weiß auch die AKP ist sie doch schließlich aus dieser Erkenntnis heraus als gemäßigte Alternative zur Wohlfahrts und Tugendpartei eines Necmetin Erberkan gegründet worden. hinzu kommt das gerade Abdullah Gül einen hervorragenden internationalen Ruf genießt und als entschlossener Reformer und Vertreter des Liberalen AKP Flügels gilt. Aber hat er sich tatsächlich gewandelt? Diese Frage stellt auch ein durchaus interessanter Artikel der vor wenigen Tagen auf Telepolis erschienen ist. Gegen eine Islamisierung spricht auch die sich langsam entwickelnde wenn auch noch schwache Zivilgesellschaft. deren Aufkommen haben gerade die Demonstrationen der letzten Tage bewiesen.Rüdiger Suchsland sieht in seinem ebenfalls bei Telepolis erschienenen Artikel Das letzte Gefecht der laizistischen Republik? die gegenwärtige Krise als Chance,an deren Ende eine gereifte Demokratie stehen konnte,immer vorausgesetzt die Türkische Gesellschaft zeigt sich fähig die gegenwärtige Kriese mittels demokratischer Spielregeln zu lösen.

Fazit:
Akute Putsch Gefahr besteht wahrscheinlich nicht unkritisch ist die Situation aber nicht es wird in der Türkei auf alle Fälle spannend bleiben.
Henning | | Kommentar schreiben
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